Durch die argentinische Schweiz

1. Ziel - El Bolson

Unser erstes Ziel im Reisejahr 2016 ist El Bolson. Bekannt wurde die Stadt als “Hippie- und Aussteigerstadt Argentiniens seit Mitte der 1960er Jahre. 

 Heute ist sie bei Tagestouristen bekannt wegen der Feria, dem Kunsthandwerkmarkt. Und natürlich durch die tolle Lage zwischen dem Piltriquitron Massivs und den schneebedeckten Andengipfeln. Wir kommen am Samstag an und haben somit Gelegenheit die Feria zu besuchen

 Unser Ziel ist aber nicht die Stadt, sondern der Campo von Klaus Schubert mit seiner Familie. Er und seine Claudia sind bekannt durch ihre 16 jährige Tour um die Welt mit ihren Motorrädern. Vor einigen Jahren haben sie sich hier ein Stückchen Land gekauft. Für Reisende in Südamerika vermitteln sie Fahrzeugversicherungen für die Mercur Staaten. Klaus hilft Reisenden wie uns mit seinen Kontakten. Am Sonntag genießen wir das Landleben und die leckeren Himbeeren, die Mona für uns gepflückt hat.

Wir wollen nur ein paar Tage bleiben. Wir hoffen, dass Klaus uns mit seinen Kontakten helfen kann unseren Zusatztank, der von unserem Kabinenbauer montiert wurde und uns schon mehrfach Ärger bereitet hat, zu reinigen. Bekanntlich wurde er von Mercedes Kaufmann in Coyhaique stillgelegt. Was wir nicht bedacht haben - wir brauchen ihn dringend, da die Dieselheizung hieraus gespeist wird.

Am Montag macht Klaus uns in El Bolson mit Hugo bekannt, der sich einige Tage später um die Reinigung unseres Tanks kümmern will.

Durch die Feiertage ist Hugo im Moment allein in der Werkstatt. Und es hat sich bereits viel Arbeit angesammelt. Am Donnerstag will er den Tank abbauen und reinigen. Da eine Reinigung durch den nachträglich vom Fehntjer angebauten Einfüllstutzen kaum möglich ist, muss er ein Loch hineinschneiden und dann schweißen. Klaus bestätigt uns, dass Hugo dafür der richtige Mann ist. Bis Freitag, spätestens Sonnabend hat er das erledigt. Falls notwendig will Hugo auch einen Filter einbauen, um weitere Folgeschäden zu verhindern. Der Spaß soll 800 Pesos kosten, das sind etwa 55 Euro.So ist der Plan. Was wir noch nicht wissen. In Argentiniern müssen Pläne nicht unbedingt aufgehen......

Den Rest des Tages stocken wir unsere Vorräte auf und sitzen stundenlang im Café mit einem lahmen WiFi. So kann man als Reisender viel Zeit verbringen.

Am Donnerstag wollen wir eine schöne Wanderung machen. Claudia und Klaus schlagen vor auf die andere Talseite in die „Area Natural Protegida Rio Azul – Lago Escondido“ nach „Wharton“ zu fahren. Dort gibt es einen Campingplatz und ein kleines Restaurant mit Parkplatz auf dem wir auch übernachten können. Von hier soll man tolle Wanderungen am Rio Azul machen können. Wir finden Wharton auch auf der Umgebungskarte, die wir uns in der Touristeninfo haben geben lassen. Aber weder mein Garmin noch die Karten auf dem Tablett kennen es. Trotzdem machen wir uns am Dienstagabend auf den Weg.

Hier startet gleich eine Calbalgat
Hier startet gleich eine Calbalgat

Und kommen zur „Chacra Wharton“ . So eine Art Berggasthaus. Wo man auch „Calbalgatas“ starten kann. Wanderungen zu Pferd. Hier essen wir zu Abend 2 ordentliche Hamburger mit hausgemachtem Brot und Bier. Und hören tollen Rock aus den 70er.

In Südamerika ist derzeit Hoch- sommer. Und Ferienzeit.

 

Und die argentinische Schweiz ist ein bevorzugtes Urlaubsgebiet. Daher ist es nicht nur in der Stadt relativ voll. So auch am Morgen am Wharton. Eine lange Schlange an der "Anmeldung". Wie häufig in Südamerika muss man sich vor größeren Wanderungen häufig anmelden. Anders als wir es in den Alpen gewohnt sind, sind die Wanderungen hier nicht als Tagesetappen konzipiert. Die Südamerikaner haben häufig Zelt und Isomatte dabei und sind mehrere Tage unterwegs. Wir planen die Wanderung über die Refugio La Playita zum Cajon de Azul. 2,5 Stunden bis zum Refugio und 1 Stunde bis zum Cajon. Das sollte zu schaffen sein. Trotz der großen Hitze.

 

Leider haben wir vergessen wie die Wanderwege in Südamerika angelegt sind. Immer schön steil den Berg rauf und ebenso steil wieder herunter. Auf dieser Wanderung mußten wir über 3 Hängebrücken. Für 4x4 Fahrzeuge aber kein Problem. Die nehmen den Weg durchs Wasser. So war dieser Wanderweg durchgehend auch Fahrspur. Entsprechend breit. Und sehr häufig geschottert. Und nicht, wie wir erwartet hatten, immer am Rio entlang. Aber es war fast immer sehr schattig.

Bis zum Refugio haben wir es mit Ach und Krach geschafft. Aber noch eine Stunde weiter? Wir wußten, dass uns kurz vor Wharton eine halbstündige wirklich sehr steile Abschlußetappe erwartet. Nach einer angemessenen Pause haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht. Nach dem Refugio soll es richtig schön werden, meinten Claudia und Klaus. Haben wir etwas versäumt? Diese Tour, zumindest als 1 Tagestour, können wir nicht empfehlen.

Bei einer wunderbaren Mixmilch von der Charcra lassen wir den Tag ausklingen. Bis Mitternacht können wir bei diesen Temperaturen vor dem Auto sitzen. Wir bleiben noch eine Nacht um am nächsten Morgen direkt von hier in die Werkstatt zu fahren.

Mit Hugo haben wir uns für 9:00 / 09:30 Uhr verabredet. Von Wharton sind es 15 km Piste. Bärbel möchte unbedingt pünktlich sein. Daher stellen wir den Wecker auf 06:00 Uhr und verlassen um 07:30 Uhr, als noch alles schläft, den Parkplatz. Bei Hugo kommen wir gegen 08:00 Uhr, also mindestens 1 Stunde zu früh an. Hugo kommt kurz vor 10:00 Uhr.

Etwa 1 Stunde benötigt er um den Tank abzubauen. Als Klaus dazu kommt, gehen wir die weiteren Schritte nochmals durch. Es ist sehr hilfreich, wenn man Unterstützung vor Ort hat, die auch über die Sach- und Fachkompetenz verfügen. Und Klaus kann schrauben.

Das hat er auf seiner Tour nicht nur einmal unter Beweis stellen müssen.

Und er kennt die Leute vor Ort. Und die Leute kennen ihn. Wie sagte der Wirt von Wharton: „Ah Klaus de Alemania. Mi Amigo“.

Da wir schon auf Reserve bei Hugo angekommen sind und beim Abbau einiges an Diesel verloren ging, wollten wir erst mal tanken.

 Die YPF ist nicht weit. Hatte aber kein EURO Diesel. Die Kollegen am Ortsausgang hätten aber welchen. Nochmal 5 km mit leeren oder fast leeren Tank. Wenn das mal gut geht. Bei der YPF angekommen hat man auch hier kein EURO Diesel. Wann man denn EURO bekommt? Wenn der Tankwagen kommt. Und wann kommt er ? Heute? Oder erst morgen? Das wisse man nicht. Der Tankwagen kommt wenn er kommt. Und nun? Ist guter Rat teuer. In Rio Gallegos haben wir 3 Tage gewartet. Hatten aber auch nette Freunde vor Ort.

Also erst mal einen einigermaßen schattigen Platz gesucht. Und beschlossen hier im Zweifelsfalle auch zu übernachten. Leider gibt es hier kein Internet. Dann könnte die Wartezeit gut genutzt werden. Also döst man in der Hitze vor sich hin. Und 2 Stunden später war der Tankwagen da.

Endlich das Auto volltanken und zurück auf den Campo in den Schatten. Und den Tag ruhig und sinnig ausklingen lassen.

Am nächsten Tag wird es wieder heiß, heiß, heiß. Auf dem Campo gibt es, trotz der seit vielen Wochen andauernden Trockenheit, viel Wasser. Wir gönnen unserer Casita Verde daher mal wieder ein Vollbad. Der Kühlschrank wird abgetaut und wieder mal Kürbisbrot gebacken.

Michael aus Hannover kommt vorbei um zu schauen ob es auch bei uns schon brennt. Seit Mittag können wir den Rauch riechen und hinter dem Berg die Rauchsäulen eines Waldbrandes sehen. Und es fliegen einige Flugzeuge, die versuchen einen Waldbrand bei unserem südwestlichen Nachbarn zu löschen.

Klaus sitzt bei uns und schaut immer wieder besorgt in die Höhe. Es wäre für ihn eine Katastrophe, wenn das Feuer den Weg über den Berg finden würden. Beim vorwiegend aus Südwest kommenden Wind würde schnell der gesamte Hang in Flammen stehen. Erst am späten Abend, nachdem auch der Wind fast eingeschlafen ist, haben wir den Eindruck, dass es keine weiteren Rauchsäulen mehr gibt. Hoffentlich bleibt die Nacht ruhig. Wir fahren mit Klaus noch tiefer auf das Grundstück, um uns seine Cabana anzuschaue

Er hat auch mit Hugo über unseren Tank telefoniert. Die gute Nachricht, er musste kein zusätzliches Loch schneiden, er konnte die Reinigung über die Dieselleitung für die Heizung machen. Entgegen unseren Erwartungen hat er so gut wie keine Metallspäne im Tank gefunden. Er hat Abrieb vom Motor gefunden. Aber das ist normal. Warum behauptet Mercedes Coyhaique der Zusatztank wäre voller Metallspäne??? Haben wir uns verhört? Ein Missverständnis?

Ein zusätzlicher Filter muss auch nicht eingebaut werden. Aber der Einbau kann vermutlich nicht am Sonnabend erfolgen. Er wartet noch auf ein zu drehendes Ersatzteil für ein Auto, das derzeit noch in der Werkstatt steht. Daher gibt es keinen Platz für uns. Wenn das Ersatzteil noch kommt, dann können wir am Sonnabend kommen, Wenn....

Wir fahren am Sonnabendvormittag trotzdem in die Stadt. Wir wollen shoppen. Bärbel hätte gerne Salbeiblätter für Tee gegen ihre Rückenprobleme. Geheimtipp von Klaus. Ich vermisse seit Nant y Fall einen 4 mm Bohrer. Und habe am Fahrersitz eine fehlende Schraube entdeckt. Und von Klaus gehört wie man hier den „Schraubenklebstoff“ nennt. Trabasil Tornillos y Bulones.

Bei Hugo ist der Teufel los. Wie erwartet / befürchtet klappt der Einbau unseres Tanks heute natürlich nicht. Neben den Besorgungen wollen wir heute aber unbedingt mit unserem Sohn telefonieren. Fliegt er doch am Sonntag nach Hawaii, nach Honolulu, um dort das Auslandssemester für seinen Master zu absolvieren. Ihn zu erreichen war schon in der Weihnachtszeit nicht so einfach. Wir suchen uns also ein schattiges Plätzchen – draußen ist es laut Außenthermometer 29 Grad – und wir hoffen, ein gutes Mobilfunknetz von Claro finden. Unsere SIM Karte hatten wir vor einigen Tagen aufgeladen. Wir finden Schatten und ein Claro G3 Netz. Das sollte stabil sein. Mails sind sehr schwerfällig, WhatsApp funktioniert auf Anhieb. Auf unsere Anfrage, wer denn mit uns telefonieren möchte, meldet sich unsere Tochter. Wir bekommen ein umfangreiches Update über die familiären Entwicklungen in der Heimat und wir teilen unsere letzten Erlebnisse. Nach 30 Minuten brechen wir ab, damit wir noch Zeit für unseren Sohn finden. Wir und auch unsere Tochter erreichen ihn nicht.

Wir versuchen über Mobile VOIP, die bisher so zuverlässige App mit Oma und Opa zu telefonieren. Auch das klappt nicht. Immer wieder habe ich den Eindruck, dass unser Claro Internet regelmäßig zusammenbricht. Das kann daran liegen, dass heute der Kunsthandwerkmarkt geöffnet ist und wieder viele Touristen mit ihren Smartphones in der Stadt sind. Und das Netz etwas überlastet.

Während wir mit der Tücke des Objektes kämpfen gibt es ein Wärmegewitter El Bolson. Nach 3 Stunden Kampf wechseln wir den Standort und wollen uns auf das WiFi vom Café JauJa im Stadtzentrum verlassen. Irgendwann schreibt uns der Sohn, dass er und seine Freundin wohl eingenickt gewesen sind und so nichts gehört haben. Und man jetzt auf dem Weg zu einer wichtigen Party sei. So wird nichts aus unserem Telefonat. Wir gönnen uns als Abschluss noch ¼ kg Eis, da es zwischenzeitlich wieder heiß geworden ist.

Auf dem Campo war es den ganzen Tag trocken. Wir können uns noch um die Ersatzschraube des Fahrersitzes kümmern, bevor es auch hier beginnt zu regnen. Und es regnete bis in den späten Abend.

Der Sonntag ist wieder ein toller Tag. Blauer Himmel mit ein paar Schäfchenwolken. Daher nicht ganz so heiß wie die Tage davor. Wäsche wird gewaschen, Bilder sortiert und an der Homepage gearbeitet.

So werden in Argentinien Pläne umgesetzt. Statt 3 bis 4 Tage konnten wir 9 Tage die Berge und das Leben auf dem Campo genießen. Wenn es nur nicht so heiß gewesen wäre....

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